Konflikte in Afghanistan

Nachdem König Nadir Schah im November 1933 von einem Studenten ermordet wird, setzt sein Sohn Sahir Schah Mohammed 1946 die Unabhängigkeit Afghanistans gegen die informelle Herrschaft Großbritanniens durch. Im Jahre 1964 wird Afghanistan eine konstitutionelle Monarchie, deren Verfassung die Mitglieder der Königsfamilie von allen Staatsämtern ausschließt.

Der unblutige Staatsstreich, den der Vetter des Königs, Mohammed Daud, im Juli 1973durchführt, mündet in die Absetzung des Königs und in die Erklärung der Republik Afghanistan. Der neue Staat bleibt blockfrei, nähert sich jedoch der Sowjetunion an, z.B. bei der Ausbildung des Militärs. Westliche Staaten, z.B. die BRD und die USA, fördern Afghanistan durch Entwicklungsmaßnahmen.

Im April 1978 übernimmt Mohammed Taraki (Chalk-Flügel der kommunistischen Demokratischen Volkspartei) als Ergebnis eines blutigen Putsches die Macht. Die neue Einparteienherrschaft führt Reformen in den Städten durch und setzt die Gleichberechtigung der Frauen durch. Ihre Die Bodenreform ruft den Widerstand der ersten Mudschaheddin-Bewegung hervor. Beim Umsturz durch den Partscham-Flügel der Demokratischen Volkspartei im September 1979 wird Taraki ermordet. Gegen den neuen Regierungschef Hafisullah Amin verschärfen die Mudschaheddin ihren Widerstand.

1979 erobern Truppen der Sowjetunion das Land. Für den ermordeten Amin setzt die Siegermacht den Moskau-treuen Partscham-Funktionär Babrak Karmal als Premierminister ein. Zahlreiche Afghanen flüchten nach Pakistan oder in den Iran. Von Peschawar aus organisieren die Mudschaheddin ihren landesweiten Widerstand gegen die Besatzer. Bis zu 80% des Landes stehen unter ihrer Kontrolle. Finanziell werden sie bis 1999 von Saudi-Arabien, den USA und Pakistan mit 10 Milliarden $ unterstützt. Die Grenzgebiete werden vermint. Das Genfer Abkommen zwischen Afghanistan, Pakistan und der Sowjetunion reorganisiert 1988 die Unabhängigkeit des Staates. Im Februar 1989 bildet sich im pakistanischen Islamabad eine provisorische Exilregierung aus den in Peschawar residierenden Mudschaheddin-Gruppen. Nach dem Abzug der geschlagenen sowjetischen Armee im Mai 1989 übernimmt der Chef des Geheimdienstes Najibullah die Regierungsgewalt. Ein Bürgerkrieg zwischen islamistischen Gruppen und Kriegsherren stürzt Afghanistan ab 1989 in ein innenpolitisches Chaos. Die Hauptstadt Kabul wird bei den Kämpfen weitgehend zerstört. 1992 übernimmt eine radikal-islamistische Bewegung unter Gulbuddin Hekmatjar für zwei Jahre die Führung des Landes. 1994 treten in Kandahar zum ersten Mal die Taliban („Koranschüler“) in Erscheinung. Als Sieger der innenpolitische Kämpfe errichten sie ab 1996 eine ismalistische Diktatur.

Die Taliban rekrutieren sich aus den sunnitischen Paschtunen und praktizieren einen paschtunischen Nationalismus. Im August 1998 ermorden Taliban-Milizen bei der Einnahme der Stadt Mazar-e Scharif mehr als 4.000 Zivilisten der Hazara. Ein Jahr später vertreiben die Taliban mehr als 100.000 tadschikische Bauern und siedeln in den Gebieten der Minderheiten gezielt Paschtunen an. Mit der Eroberung der Staatshoheit formieren die Taliban Afghanistan als fundamentalistische Republik, die den Gesetzen der islamischen Rechtslehre Scharia folgt. Diebe werden Gliedmaßen amputiert; Frauen dürfen sich ohne männliche Begleitung nicht in der Öffentlichkeit aufhalten und werden ohne den Ganzkörperschleier „Burka“ verprügelt oder zu Tode gesteinigt. Die Hindus des Landes müssen ab Mai 1991 auf Anordnung der Taliban eine gelbe Markierung auf ihrer Kleidung tragen. Im März 2001 zerstören die Taliban alle „Götzenbilder, z.B. die Buddha-Statuen von Bamian. Neben der Aussetzung der Menschenrechte veranlasst insbesondere der Drogenhandel mit Opium und Heroin, dessen Einnahmen den Krieg gegen die Opposition im Norden des Landes finanzieren, die UN im Jahre 1999 / 2000 zu Sanktionen gegen die Taliban-Regierung.

Die Taliban gewähren der Terrororganisation Al Qaida Unterschlupf in ihrem Land. So können sie dort ihre Ausbildungslager für zukünftige Terroristen einrichten. Die Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und auf das Pentagon in Washington vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon werden der Al Qaida mit deren Oberhaupt Osama bin Laden zugeschrieben. Die USA fordert daraufhin die Taliban auf, ihnen die Al Qaida mit deren Oberhaupt auszuliefern. Am 7. Oktober 2001 greifen US-Bomber das Land an. Bodeneinheiten unterstützen alsbald die Bombardements. Am 13. November 2001 besetzt die „Nordallianz“ Kandahar und die Hauptstadt Kabul. Die Taliban ziehen sich in den Untergrund oder in das benachbarte Ausland zurück. Nach dem Sturz des Regimes bleibt die Lage dennoch weiter äußerst instabil: Der nationale Machtkonflikt zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung schwelt weiter. Im Dezember 2001 unterzeichnen alle führenden Oppositionsgruppen Afghanistans auf der Ersten Petersberg-Konferenz ein Abkommen über eine Übergangsregierung und eine politische Neuorganisation ihres Staates.

Die UNO entsendet am 10. Januar 2002 die International Security Assistance Force (ISAF) nach Kabul. Daran beteiligen sich auch Soldaten der Bundeswehr. Als Übergangspräsident regiert Hamid Karsai das Land. Am 22. Januar beschließt eine internationale Geberkonferenz mit 61 Staaten und 20 Organisationen in Tokio Wiederaufbauhilfen für Afghanistan in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar. Bereits am 15. Februar werden bei Ausschreitungen am Rande eines Fußballspiels in Kabul vier ISAF-Soldaten verletzt. Im März führen die USA die zweiwöchige Militäroffensive „Anaconda“ gegen die verbliebenden Taliban- und Al Quaida-Kämpfer durch. Im Juni 2002 setzt die „Große Ratsversammlung (Loya Jirga) eine Übergangsordnung in Kraft und wählt Karsai zum Präsidenten. Während der Vizepräsident Abdul Kadir am 6. Juli 2002 bei einem Attentat erschossen wird, überlebt Präsident Karsai am 5. September 2002 einen Anschlag unverletzt. 26 Menschen sterben bei der Explosion einer Autobombe in Kabul. Die Zweite Petersberg-Konferenz sagt Afghanistan im Dezember 2002 weitere Aufbauhilfen zu und entscheidet über Sicherheits- und Armeefragen. Parallel tagt in Rom eine internationale Konferenz zum Aufbau des Rechtswesens in Afghanistan. Der Deutsche Bundestag verlängert am 20. Dezember 2002 das Bundeswehr-Mandat um ein Jahr. Am 20. März 2003 beginnen die USA mit Luftangriffen den Krieg gegen den Irak. Die NATO übernimmt am 11. August 2003 das Kommando über die ISAF. Im Herbst 2003 dehnt die UNO das ISAF-Mandat über Kabul hinaus aus und richtet das Erste Wiederaufbauteam (Provincial Reconstruction Team – PRT) unter bundesdeutscher Federführung in der Region Kundus ein. Die Bundeswehr erweitert im August 2003 ihren Einsatz und verlegt zur Sicherung des Wiederaufbaus 250 Soldaten in den Norden des Landes.

Am 4. Januar 2004 verabschiedet die Loya Jirga in Kabul eine neue Verfassung für Afghanistan. Die dritte Petersberg-Konferenz beschließt am 1. April 2004 weitere Finanzhilfen in Höhe von 7,4 Milliarden US-Dollar. Während des Jahres 2004 fallen sowohl Zivilisten als auch Soldaten wiederholten Anschlägen von Taliban-Kämpfern auf Militäreinrichtungen und ISAF-Institutionen zum Opfer. Die NATO richtet im Juni 2004 fünf weitere PRT in Afghanistan ein. Am 30. September 2004 verlängert die rot-grüne Bundesregierung zusammen mit den Stimmen der CDU / CSU den ISAF-Einsatz der Bundeswehr um ein Jahr. Die ersten Wahlen zum Präsidenten Afghanistan am 9. Oktober 2004 werden von Protesten und Unregelmäßigkeiten begleitet. Hamid Karsai gewinnt die Wahlen mit 55,4% der Stimmen. Am 1. Juni 2005 sterben bi einem Selbstmordanschlag auf eine Moschee in Kandahar 20 Menschen. Nach 30 Jahren wählen die Afghanen am 18. September 2005 erstmals wieder ein Parlament und 34 Provinzräte. Parteien dürfen nicht antreten. Im Dezember 2005 tritt das Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

Die Reihe bewaffneter Anschläge setzt sich in den folgenden Monaten und Jahren fort. Am 5. Januar 2006 sterben bei einem Attentat auf die US-Botschaft in Tirin Kot zehn Afghanen; nur zehn Tage später kommen drei Menschen beim Angriff auf einen kanadischen Militärkonvoi ums Leben; am 16. Januar 2006 fallen 24 Menschen zwei Anschlägen in der Provinz Kandahar zum Opfer. Die internationale Staatengemeinschaft verabschiedet im Januar / Februar 2006 in London den „Afghanistan Compact“, der die zweite Phase des Wiederaufbaus bis 2011 regeln soll. Nach mehreren Anschlägen in Kabul, Laschkar Gah, Kundus und Baghlan zwischen Juni und Oktober 2005 tötet eine Bombe am 23. Januar 2007 vor einem US-Militärstützpunkt in Chost zehn Menschen und am 27. Februar 2007 reißt ein Attentäter während des Besuchs von US-Vizepräsident Cheney in Bagram 20 Menschen mit in den Tod. Bei einem Luftangriff der ISAF im Süden Afghanistans sterben nach Polizeiangaben am 22. Juni 2007 25 Zivilisten. Die Entwicklungshelferin Christina M. wird am 20. August 2007 nach zweitägiger Entführung von der Kabuler Polizei befreit. Fast drei Monate verbringen Rudolf Blechschmidt und seine afghanischen Begleiter nach ihrer Entführung durch die Taliban am 18. Juli 2007 in Geiselhaft. Der Bauingenieure Rüdiger Distel wird am 21. Juli 2007 erschossen aufgefunden. Im Februar 2008 nimmt das erste deutsche zivilie Beratungsteam (Provincial Advisory Team – PAT) seine Tätigkeit auf. Am 12. März 2008 töten ISAF-Soldaten im Süden Afghanistans versehentlich zwei Kinder und zwei Frauen. Am 12. Juni 2008 wird die Nationale afghanische Entwicklungsstrategie (ANDS) in Paris vorgestellt: die internationale Staatengemeinschaft sagen Wiederaufbauhilfen in Höhe von 14 Milliarden Euro für die nächsten zwei Jahre zu und verabschieden einen Wiederaufbauplan. Bei einem US-Luftangriff in der westafghanischen Provinz Nimros werden am 30. Juni 2008 35 Taliban-Kämpfer und sechs Zivilisten getötet. Am selben Tag wird eine Bundeswehr-Patrouille des Wiederaufbauteams im nordafghanischen Kundus mit einem Sprengsatz angegriffen. In der östlichen Provinz Nangarhar sterben am 6. Juli 2008 bei einem US-Luftangriff auf eine Hochzeitgesellschaft 47 Zivilisten, darunter auch 39 Frauen und Kinder. Afghanistan und die Weltöffentlichkeit reagieren auf das Bombardement mit Kritik und Empörung. Am 17. Juli fallen in der südwestafghanischen Provinz Farah acht Zivilisten einem Angriff von US-geführten Koalitionstruppen zum Opfer. Zwei Tage später töten ISAF-Soldaten in der Südöstlichen Provinz Paktia versehentlich vier Zivilisten, weil zwei Granaten ihr Ziel verfehlen. Am 22. August 2008 sterben in dem Dorf Asis Abdad mindestens 89 Zivilisten durch einen Luftangriff der Koalitionstruppen unter Führung von US-Soldaten. Die Tötung löst Wut und Empörung sowie eine Beschwerde Präsident Karsais aus. Am 28. August 2008 versuchen bundesdeutsche ISAF-Soldaten und afghanische Polizisten an einem Kontrollpunkt in der Nähe der norafghanischen Stadt Kundus zwei Fahrzeuge zu stoppen. Bei dem einsetzenden Schusswechsel kommen drei Menschen ums Leben; mehrere Andere tragen Verletzungen davon. Am 16. Oktober verlängert der Deutsche Bundestag den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr um 14 Monate. Die Einheiten können um 1.000 Soldaten auf maximal 4.500 Soldaten aufgestockt werden. Die BILD-Zeitung veröffentlicht am 25. Oktober 2008 wahrscheinlich fünf Jahre alte Bilder von bundesdeutschen Soldaten, die in obszöner Weise mit Totenschädeln posieren.

Im März 2009 stellen die USA auf der Afghanistan-Konferenz in Den Haag eine neue Strategie zum Wiederaufbau vor. Zu den Kernelementen gehören z.B. die Aufstockung des Militärkontingents auf 17.000 Soldaten, die Bekämpfung der Al Quaida auch in Pakistan, Wiederaufbaumaßnahmen mit Ingeneueren, Lehrern und Juristen, die Dialogbereitschaft mit gemäßigten Taliban sowie die Bekämpfung des Drogenhandels. Die zweite Wahl des afghanischen Präsidenten im August 2009 wird überschattet von Versuchen der Taliban, den Urnengang mit Terror zu torpedieren. Trotz ungeklärter Unregelmäßigkeiten und Betrugsvorwürfen wird Hamid Karsai in seinem Amt bestätigt. Nach einem Bericht der UN vom August 2009 sind für ein Drittel der Opfer in Afghanistan die Regierungstruppen und ihre Verbündeten verantwortlich. Allein im ersten Halbjahr 2009 sterben 310 Zivilisten, das sind 30,5%, durch die militärische Gewalt insbesondere der US-Luftwaffe. Der neue ISAF-Kommandant, US-General Stanley McChrystal, plädiert fortan für eine Intensivierung des Zivilschutzes. In der Nacht vom 3. September auf den 4. September 2009 töten ISAF-Bomber bei Kundus auf Befehl des bundesdeutschen Oberst Georg Klein bei einem Angriff auf zwei Tanklaster auf einer Sandbank im Kundus-Fluss bis zu 142 Menschen. Der Angriff löst aufgrund der Verletzung von Einsatzregeln für die ISAF-Einheiten Kontroversen aus. Die beiden Piloten der US-Bomber werden strafversetzt. Die Präsenz der bundesdeutschen ISAF-Soldaten wird vom Gouverneur von Kundus als „wirkungslos“ eingestuft. Im Dezember 2009 schickt US-Präsident Barack Obama zusätzlich 30.000 Soldaten mit der Absicht nach Afghanistan, das Land zu stabilisieren und den Abzug für 2011 einzuleiten. Der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2009 fordert die Bündnispartner der USA auf, ihre militärischen Kontingente zu erhöhen.

In der BRD nehmen zum Jahreswechsel 2009 / 2010 Stimmen gegen den Krieg in Afghanistan zu. Insbesondere die Evangelische Kirche und deren Ratsvorsitzende Margot Käßmann sowie Hilfsorganisationen lassen die Bundesregierung nicht unbeeindruckt. Bundespräsident Köhler bewertet die öffentliche Auseinandersetzung im Januar 2010 als „überfällige Debatte“. Die bundesdeutsche Bevölkerung lehnt mehrheitlich den Afghanistan-Einsatz ab. Demgegenüber erhöhen die USA den Druck auf die Bundesregierung, weitere Bundeswehrsoldaten ins Kriegsgebiet zu entsenden. Verteidigungsminister zu Guttenberg qualifiziert die Fortsetzung des Krieges in Afghanistan weiterhin als Stabilisierungseinsatz und als Mittel der Übertragung von „Sicherheitsverantwortung“ an die Afghanen.

Im Vorfeld der Londoner Afghanistan-Konferenz vom Januar 2010 zeichnet sich ein Strategiewechsel ab, der den Afghanen die Übernahme der Verantwortung für die Sicherheit des Landes erleichtern und den ISAF-Truppen aus den 44 Staaten einen schnellen Abzug ermöglichen soll. Zugleich gesteht Verteidigungsminister zu Guttenberg im Januar 2010 ein, dass die Bundesregierung im Ergebnis der Londoner Konferenz eine Erhöhung der deutschen Truppen in Afghanistan vornehmen wird, die die diskutierte Zahl von 2.500 Soldaten aber unterschreiten solle.

Ende Januar 2010 verständigen sich ca. 70 Staaten auf der Londoner Afghanistan-Konferenz auf eine Stärkung von Armee, Polizei und Regierung in Afghanistan.

Die „Afghanisierung“ des Konflikts solle den Rückzug auswärtiger Militärs ab 2011 ermöglichen, nachdem ab sofort zunächst die Truppen verstärkt werden sollen. So werden z.B. die USA ihre Truppenstärke um 30.000 Soldaten erhöhen und zusätzlich 5.000 Soldaten im Norden des Staates einsetzen. Die NATO verpflichtet sich zur Entsendung weiterer 9.000 Soldaten. Neben der militärischen Intensivierung soll die afghanische Aussöhnung durch einen 350 Millionen-Euro-Fonds forciert werden, dessen internationaler Verwaltung .unterliegt. Neuer Gesandter der UNO für Afghanistan wird der Schwede Staffan de Mistura. Die BRD setzt in ihrer erneuerten Afghanistan-Strategie auf „Präsenz in der Fläche“ und erhöht ihr bisheriges Kontingent um 850 auf 5.350 Soldaten. Weitere 350 Soldaten sollen in der BRD als Reserve für besondere Aufgaben bereit stehen. Darüber hinaus will die BRD die Ausbildung afghanischer Polizisten übernehmen, ihre zivilen Hilfszahlungen für Wiederaufbau und Entwicklung auf 430 Millionen Euro pro Jahr aufstocken sowie ein Programm zur Reintegration von Taliban-Kräften mit 50 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren mitfinanzieren.

Am 3. Oktober 2010 verbietet Präsident Krasai außer dem Nachfolger der US-Firma Blackwater weitere sieben private Sicherheitsdienste, die die der ISAF-Truppen unterstützen. Die Unternehmen seien aufgelöst und ihre Waffen eingesammelt worden, sagte der Sprecher der Präsidentschaft in Kabul, Waheed Omer.

Anfang Oktober 2010 kommen bei einem Bombenanschlag im Süden des Landes fünf Soldaten ums Leben. Zwei rumänische Soldaten werden getötet und ein weiterer verletzt. Im Westen Afghanistans werden mindestens vier italienische Soldaten bei einem Angriff der Taliban getötet. Die Soldaten waren in einem Konvoi von insgesamt 70 italienischen Fahrzeugen der Schutztruppe ISAF in der Provinz Farah unterwegs, als eine Bombe am Straßenrand explodierte. Damit ist die Zahl der getöteten italienischen Soldaten in Afghanistan auf 34 gestiegen. Allein seit Januar 2010 sind bislang 600 ISAF-Angehörige ums Leben gekommen.

Bei einem Bombenanschlag im Südosten Afghanistans kommen am 11. Oktober 2010 ein Ehepaar und dessen drei Kinder ums Leben. Die Familie ist in der Provinz Paktia in ihrem Auto unterwegs, als ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz explodiert. In der Nachbarprovinz Chost wird ein weiteres Kind getötet, als sich ein Selbstmordattentäter neben einem Militärkonvoi der Internationalen Schutztruppe ISAF in die Luft sprengt. Bei einem Bombenanschlag in der Moschee von Taloqan sterben der Gouverneur der Provinz Kundus und 15 weitere Muslime.

Nach einem Bericht der UN vom August 2009 stirbt ein Drittel der Opfer in Afghanistan durch Handlungen der Regierungstruppen und ihrer Verbündeten. Allein im ersten Halbjahr 2009 sterben 310 Zivilisten, das sind 30,5%, durch die militärische Gewalt insbesondere der US-Luftwaffe. Der neue ISAF-Kommandant, US-General Stanley McChrystal, plädiert fortan für eine Intensivierung des Zivilschutzes.

Am 3. Oktober 2010 werden zwei Zivilisten „aus Versehen“ nahe einer NATO-Basis im Osten des Landes getötet worden, als die Truppen im Bezirk Baraki Barak Beschuss von Aufständischen erwidert hätten, teilte das Militärbündnis mit. Bereits am 2. Oktober 2010 werden laut afghanischer Polizei drei Zivilisten bei einem Luftangriff der NATO gegen einen Taliban-Chef in der südlichen Provinz Helmand getötet. In der Provinz Kandahar töteten afghanische Soldaten und internationale Truppen ein Kind, als sie das Feuer auf einen mutmaßlichen Aufständischen eröffneten. Im September 2010 kündigt Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg den Abzug bundesdeutscher Tornado-Aufklärungsflugzeuge bis zum November 2010 aus Afghanistan an. Die USA erhöhen den Druck auf die Bundesregierung, weitere Bundeswehrsoldaten ins Kriegsgebiet zu entsenden.

Im April 2010 werden in zwei Wochen sieben deutsche Soldaten getötet. Anfang Oktober 2010 stirbt ein bundesdeutscher Soldat bei einem Selbstmordanschlag nördlich des Lagers des Regionalen Wiederaufbauteams bei Pol-e-Khomri in der nordafghanischen Provinz Baghlan. Sechs weitere Bundeswehr-Soldaten werden verwundet. Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg sagt im Deutschen Bundestag, der Soldat sei in einem Einsatz getötet worden, der „unserer Sicherheit dient“, und qualifiziert die Fortsetzung des Krieges in Afghanistan als Stabilisierungseinsatz und als Mittel der Übertragung von „Sicherheitsverantwortung“ an die Afghanen. Der Anschlag mache deutlich, „wie riskant und unsicher die Lage am Hindukusch ist und noch weiter sein wird“, erklärten die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi forderte erneut einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte den Anschlag auf deutsche Soldaten in Afghanistan scharf. „Dieser barbarische Akt richtet sich nicht nur gegen uns, er richtet sich auch gegen die große Mehrheit der Afghanen, die eine friedliche, auf Ausgleich und Versöhnung gerichtete Politik für ihr Land will“, erklärte Westerwelle am 7. Oktober 2010. Bis Oktober 2010 sterben 27 Bundeswehr-Soldaten durch Anschläge und Gefechte. Weitere 17 Soldaten verlieren ihr Leben im Einsatz. 156 Soldaten werden verwundet.

Die USA dehnen im Oktober 2010 ihre Drohnenangriffe in Pakistan weiter aus. Zu diesem Zweck würden Drohnen aus dem benachbarten Afghanistan heimlich nach Pakistan gebracht, berichtete das "Wall Street Journal" am 2. Oktober 2010 unter Berufung auf US-Offizielle. Die Armee habe der CIA Predator- und Reaper-Drohnen geliehen, mit denen der Auslandsgeheimdienst Aufständische an der Grenze zu Afghanistan beschießen könne.

Bei einem Angriff auf einen Nachschubkonvoi für die in Afghanistan stationierten NATO-Truppen sind in Pakistan Anfang Oktober 2010 mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Aufständische setzten vor den Toren der pakistanischen Hauptstadt Islamabad rund 20 Tanklaster in Brand, wie die Polizei mitteilte. Drei Menschen seien getötet und acht weitere verletzt worden. Die mit Sturmgewehren und Molotowcocktails bewaffneten Angreifer konnten den Angaben zufolge fliehen. Bereits am 1. Oktober 2010. war ein NATO-Konvoi nahe der südpakistanischen Stadt Karachi mit Raketenwerfern und Sturmgewehren angegriffen worden.

Bei einem US-Luftangriff auf Aufständische in Pakistan sind mehrere Deutsche getötet worden. Durch den Angriff einer US-Drohne im Grenzgebiet zu Afghanistan seien acht Aufständische getötet worden, darunter fünf mutmaßliche deutsche Islamisten türkischer Herkunft, sagte ein Vertreter lokaler Sicherheitsbehörden am 4. Oktober 2010. Das Auswärtige Amt in Berlin ging den Hinweisen aus Pakistan nach. Das Außenministerium und die deutsche Botschaft in Pakistan seien intensiv um Aufklärung bemüht, sagte eine Sprecherin am 5. Oktober 2010. „Wir stehen dazu in Kontakt mit den pakistanischen Behörden.“

Bei Luftangriffen sind in Afghanistan zwei ranghohe Anführer der Taliban getötet worden. Nachdem Geheimdienstmitarbeiter den „Taliban-Schattengouverneur“ der nordwestlichen Provinz Farjab, Kari Siauddin, in einer abgelegenen Gegend aufgespürt hätten, sei dieser am 5. Oktober 2010 bei einem Luftangriff der internationalen Truppen getötet worden, teilte die NATO-Truppe ISAF mit. Bei einer anschließenden Schießerei seien vier Aufständische ums Leben gekommen.

Eine entführte britische Entwicklungshelferin ist bei einem Befreiungsversuch von ihren Geiselnehmern getötet worden. Die Schuld für den Tod von Linda Norgrove liege ausschließlich bei den Geiselnehmern, erklärte der britische Außenminister William Hague am 9. Oktober 2010. Norgrove war vor zwei Wochen in der ostafghanischen Unruheprovinz Kunar entführt worden. Später wurde bekannt, dass die Britin bei der missglückten Befreiungsaktion möglicherweise nicht durch ihre Entführer, sondern durch eine US-Granate getötet worden sei. Dies sei aber noch nicht endgültig bestätigt, sagte der britische Premierminister David Cameron am 11. Oktober 2010. Eine gemeinsame Untersuchung Großbritanniens und der USA solle die Ursache für den Tod der 36-jährigen Entwicklungshelferin klären.

Bei einem Bombenanschlag im Südosten Afghanistans sind ein Ehepaar und dessen drei Kinder ums Leben gekommen. Die Familie war am 11. Oktober 2010 in der Provinz Paktia in ihrem Auto unterwegs, als ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz explodierte, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. In der Nachbarprovinz Chost wurde nach Polizeiangaben ein weiteres Kind getötet, als sich ein Selbstmordattentäter neben einem Militärkonvoi der Internationalen Schutztruppe ISAF in die Luft sprengte. 18 Menschen seien dabei verletzt worden. Unter den Soldaten haben es keine Opfer gegeben.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai räumte „inoffizielle private Kontakte“ mit den Taliban ein. Ziel dieser inoffiziellen Verhandlungen sei, den Friedensprozess in seinem Land voranzubringen, sagte Karsai dem US-Fernsehsender CNN, das in der Nacht zum 12. Oktober 2010 ausgestrahlt werden soll. Karsai wolle die Taliban, die aus unterschiedlichen Gründen „außerhalb ihrer Kontrolle“ zur Gewaltanwendung getrieben wurden, wieder zurückgewinnen.

Der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, hat einen vollständigen militärischen Sieg über die radikalislamischen Taliban als unmöglich bezeichnet. „Wir suchen auf keinen Fall nur den rein militärischen Sieg über die Taliban in Afghanistan. Der ist nämlich nicht möglich, das müssen wir realistisch sehen“, sagte Holbrooke am 12. Oktober 2010 in einem Interview mit dem Fernsehsender Phoenix. Das Ziel sei vielmehr, ein „stabiles Afghanistan zu gewährleisten, das sich mit internationaler Unterstützung auch selbst verteidigen kann“.

Oktober 2010


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