Konflikte in Kaschmir

Kaschmir ist ein ehemaliger Staat im Himalaya, der in den heutigen Staaten Indien, Pakistan und im Autonomiegebiet von Tibet liegt. Die beiden Atommächte Indien und Pakistan setzen ihre Gebietsansprüche wiederholt auch mit kriegerischen Mitteln durch, was zu wiederholten kriegerischen Auseinandersetzungen führt. Beide Staaten beharren darauf, dass Kaschmir ihnen „gehöre“.

1947 wird die Kolonie Britisch-Indien unabhängig: Die Gebiete mit hinduistischer Bevölkerungsmehrheit werden zu Indien und die Gebiete mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung werden zu Pakistan, das damals noch das heutige Bangladesh mit einschließt. Auch in der umstrittenen Region Kaschmir gibt es eine muslimische Bevölkerungsmehrheit. Jedoch liegt die Entscheidung, zu welchem Staat Kaschmir zukünftig gehören soll, bei dem kaschmirischen Herrscher Hari Singh. Er sichert sich 1947 die Hilfe von Indien und schließt Kaschmir damit Indien an. Am 22. Oktober 1947 dringen paschtunische Krieger in Kaschmir ein und wollen es Pakistan anschließen. Im folgenden Jahr erobert Indien zwei Drittel von Kaschmir zurück und vertreibt die Invasoren. Der erste Kaschmir-Krieg beginnt.

Die UN vermittelt einen Waffenstillstand und die Region wird geteilt. Ein Teil von Kaschmir wird fortan von Pakistan und ein anderer von Indien verwaltet. Diese Waffenstillstandslinie wird noch heute von UN-Beobachtern kontrolliert. Eine 15 Jahre andauernde Verhandlung zwischen Indien und Pakistan beginnt – jedoch ergebnislos. Im Januar 1962 schlägt US-Präsident John F. Kennedy vor, den Weltbankpräsidenten Black als Vermittler einzusetzen. Der Vorschlag wird von Indien abgelehnt. Auch eine Teilung und Internationalisierung Kaschmirs kommt nicht zustande.

1965 beginnt der zweite Kaschmir-Krieg. Der Auslöser ist nicht ganz geklärt: Eine der beiden Konfliktparteien, entweder Pakistan oder Indien, überschreitet die Grenze in Kaschmir.

Um den Krieg in Schranken zu halten, unterbrechen die USA und die Sowjetunion sämtliche militärischen und wirtschaftlichen Hilfsleistungen. Der UN-Sicherheitsrat fordert Indien und Pakistan auf, das Feuer einzustellen und die Truppen abzuziehen. 1966 erreicht der sowjetische Vermittler Kossygin, dass beide Länder sich verpflichten, ihre Truppen zurückziehen, Kriegsgefangene auszutauschen und die diplomatischen und ökonomischen Beziehungen zwischen Indien und Pakistan wieder aufzunehmen.

1968 beginnen beide Länder, wieder massiv aufzurüsten. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern verschlechtert sich erneut. Die Situation eskaliert schließlich im Bangladesh-Krieg, als Indien sich 1971 in den pakistanischen Bürgerkrieg einmischt. Pakistan besteht zur damaligen Zeit aus West- und Ost-Pakistan. Die beiden Landesteile werden durch Indien geographisch getrennt. Ost-Pakistan unterscheidet sich sprachlich und kulturell deutlich vom Rest des Landes. Außerdem werfen einige Bewohner Ost-Pakistans der west-pakistanischen Zentralregierung vor, ihre Interessen nur unzureichend zu berücksichtigen. Besonders nach dem Zyklon von 1970, einer schweren Naturkatastrophe in Ost-Pakistan, wächst die Unzufriedenheit der Ost-Pakistanis. 1971 gibt der west-pakistanische Militärchef Yahya Khan den Angriffsbefehl. Durch Indiens Unterstützung kann Ost-Pakistan den Krieg jedoch für sich entscheiden und ist seitdem als Volksrepublik Bangladesh unabhängig. Nach dem Krieg erklären Indien und Pakistan, die kaschmirische Demarkationslinie als „Line of Control“ zu respektieren. Man schätzt, dass ca. 270.000 Menschen durch den Bangladesh-Krieg gestorben sind.

1974 führt Indien seinen ersten Atomwaffen-Test durch. Beobachter vermuten, dass auch Pakistan in der Lage ist, Atomwaffen herzustellen.

1990 befinden sich Indien und Pakistan am Rand eines erneuten Kriegs. Es geht erneut um Kaschmir. Beide Seiten schrecken laut eigenen Angaben nicht davor zurück, Atomwaffen einzusetzen.

Im Mai 1998 testet Indien erneut Atomwaffen. Pakistan reagiert mit der Test-Zündung einer eigenen Atomwaffe.

Im Mai des folgenden Jahres kommt es zum dritten Kaschmir-Krieg: Pakistanische Söldner besetzen mit Unterstützung offizieller pakistanischer Soldaten einige Gebiete im vom Indien kontrollierten Teil Kaschmirs. Pakistan bestreitet, diese Söldner-Truppen zu unterstützen. Bis Juli 1998 erobert Indien den Großteil der besetzten Stellungen zurück. Nach einem Gespräch mit US-Präsident Bill Clinton verpflichtet sich der pakistanische Premierminister Sharif die Truppen zurückzuziehen.

Im Juli 2001 findet das erste indisch-pakistanische Gipfeltreffen seit zwei Jahren statt. Es kommt zu keiner Annäherung im Kaschmir-Konflikt.

Im Oktober 2001 sterben 38 Menschen: Attentäter dringen in ein kaschmirisches Regierungsgebäude in Srinagar ein, werfen mit Handgranaten und schießen auf Sicherheitskräfte.

Im Dezember 2001 töten Terroristen im indischen Parlament 13 Menschen. Indien gibt Pakistan die Schuld an dem Anschlag.

2007 erklärt die Terrororganisation Al-Qaida Indien den Heiligen Krieg im Bezug auf Kaschmir.

Bis heute kommt es immer wieder zu terroristischen Anschlägen in Kaschmir. Obwohl die eindeutige Grenzziehung zwischen Indien und Pakistan schon seit über 60 Jahren vollzogen sein sollte, dauert der Kaschmir-Konflikt bis heute an. Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht doch: 2008 haben Indien und Pakistan die Friedensgespräche wieder aufgenommen.

Januar 2010


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