Konflikte in Kosovo

Ende des 12. Jahrhunderts beginnt die Ausdehnung der Serben in den Süden. Bis 1346 verlegen sie politische und religiöse Zentren in das neue Staatsgebiet. In den Jahren 1389 und 1448 toben auf dem Amselfeld militärische Schlachten, die mit der Sicherung der osmanischen Herrschaft 1455 enden.

1690 und 1737 lehnt sich die christliche Bevölkerung gegen das Osmanische Reich auf. Es kommt zu Fluchtbewegungen der orthodoxen Bevölkerung in das Reich der Habsburger.

Im Zuge des Russisch-osmanischen Krieges werden albanische Muslime aus den von Serbien eroberten Gebieten um Niš, Leskovac und Vranje vertrieben. Mit dem Ersten Balkankrieg 1912 erobern serbische und montenegrinische Soldaten das Kosovo und gliedern es 1918 in das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen ein. 1941 fällt das Kosovo an das Königreich Albanien. Serbische Siedler werden dabei vertrieben und ermordet.

1945 wird das Kosovo als Provinz Serbiens Teil der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien. Die neue jugoslawische Verfassung garantiert dem Kosovo 1974 weitgehende Autonomierechte, die Serbien nach dem Zerfall Jugoslawiens und dem Machtaufstiegs Slobodan Miloševi?s 1989 aufhebt.

Der Krieg zwischen der Republik Slowenien und der jugoslawischen Armee endet Anfang Juni 1991 aufgrund der UNO-Vermittlung nach wenigen Tagen. Die Erklärung albanischer Abgeordneter des aufgelösten Provinzparlaments über die Unabhängigkeit des Kosovo im Jahre 1991 bleibt international ohne Anerkennung. Der Krieg in Bosnien und Herzegowina 1992 bis 1995 zwischen Serben, Kroaten und Bosniaken ist eine Folge des Krieges im restlichen Jugoslawien.

Die Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen eskalieren am 11. Juli 1995. Seit Juni 1995 belagern serbische Truppen die Enklave Srebrenica im Nordosten Bosniens, die seit 1993 UN-Schutzzone ist und in der sich zehntausende muslimische Flüchtlinge aufhalten. Die 600 niederländischen Blauhelme, die die neutrale Zone bewachen, stehen den Granatangriffen der serbischen Milizen am 7. Juli 1995 wehrlos gegenüber. Die Bitte des Kommandeurs Ton Karremanns um Luftunterstützung aus dem UN-Hauptquartier in Sarajewo bleibt ohne Resonanz. Am 9. Juli 1995 rücken die serbischen Einheiten vor, erobern mehrere UN-Posten und nehmen 30 Blauhelme gefangen. 20.000 Flüchtlinge versammeln sich am 11. Juli um den Stützpunkt der niederländischen Einheit. Zwei niederländische F16–Kampfbomber werfen um 14.30 Uhr zwei Bomben auf serbische Stellungen um Srebrenica ab. Die Serben drohen, ihre Blauhelm-Geiseln zu ermorden und die Flüchtlingslager zu beschießen. Um 16.30 Uhr rückt der bosnische General Ratko Mladic in die Stadt vor. Er garantiert Karremanns das Leben der Muslime, falls diese ihre Waffen abgäben. Im Schutz der Nacht versuchen 15.000 muslimische Männer die Flucht und geraten zumeist in Hinterhalte serbischer Einheiten. In Srebrenica treffen am 12. Juli 1995 Reisebusse ein, um 23.000 Frauen und Kinder zu evakuieren. Die serbischen Milizen sondern die Männer zwischen 12 und 77 Jahren aus und treiben sie in Lastwagen, Lagerhäusern und Fabriken zusammen. Vom 13. Juli bis 18. Juli 1995 an ermorden die Serben ca. 8.000 Muslime. Die UN-Soldaten übergeben den Serben 5.000 Muslime, die im UN-Lager Schutz gesucht hatten, und im Gegenzug lassen die Serben ihre niederländischen Gefangenen frei. Auf einem Fabrikgelände nahe dem UN-Stützpunkt beginnen systematische Erschießungen. Am 16. Juli werden erste Berichte über die Massaker bekannt. Die niederländischen Blauhelme verlassen ohne ihre Waffen, Vorräte und Medikamente Srebrenica. Am 25. Juli 1995 erhebt das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag Anklage gegen General Mladic und Serbenführer Karadzic wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nach 13 Jahren wird Karadzic im Juli 2008 gefasst und vor Gericht gestellt. Dagegen befinden sich Mladic und andere Verantwortliche des Völkermordes von Srebrenica noch auf freiem Fuß.

1998 führt die albanische Kosovo-Befreiungsarmee UÇK einen Guerilla-Krieg gegen Serbien, das mit massiver Gewalt antwortet, auch gegenüber der Zivilbevölkerung. Nachdem die Verhandlungen zwischen Serbien und Kosovo scheitern, beginnt die NATO am 24. März 1999 mit Luftangriffen den Krieg gegen Serbien und Montenegro. Nach der Niederlage Serbiens übernehmen die UN-Administration Unmik und die NATO-geführte Kfor die Exekutive und scheitern dabei mit ihrem Konzept eines multi-ethnischen Kosovo

Die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen treffen insbesondere die Roma und Ashkali, die von den Kosovo-Albanern der Kollaboration mit den Serben beschuldigt werden setzten sich nach der militärischen Niederlage der serbischen Regierung in Anwesenheit der KFOR–Einheiten fort. Kosovo-Roma werden zu Beginn der NATO-Luftangriffe von der serbischen Polizei und den Behörden missbraucht. Roma-Zivilisten werden dazu gezwungen, die Leichen getöteter U?K-Mitglieder und albanischer Zivilisten zu begraben, Gräben für das Militär auszuheben und albanisches Eigentum zu plündern und zu zerstören. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages und dem Abzug der serbischen Streitkräfte üben Albaner in gleichem Maße Vergeltung an den Roma, wie die serbischen Streitkräfte an ihnen: physischer Missbrauch, Inhaftierungen, Entführungen, Morde, Vergewaltigungen, Plünderungen und Zerstörung von Eigentum, Zwangsarbeit und Vertreibungen. Roma werden in vielen Fällen unter Drohungen, Einschüchterungen, physischem Missbrauch und unter Zerstörung ihres Eigentums dazu gebracht, den Kosovo zu verlassen. Sie werden zum ständigen Sündenbock, der abwechselnd von beiden Konfliktparteien missbraucht wird. Die Kosovo–Albaner, als unterprivilegierte Minderheit im ehemaligen Jugoslawien selbst tausendfach Opfer von Diskriminierung, Verbrechen und Völkermord, betreiben nach der Rückkehr in ihre Heimat eine „gnadenlose Politik der „ethnischen Säuberung“ an den Volksgruppen der Roma und Aschkali. Mit dem Vorwurf der Kollaboration und der Menschenrechtsverletzungen legitimiert ein extremistischer Teil der Kosovo–Albaner mit Hilfestellung bzw. Tolerierung großer Teile der U?K die Dehumanisierungspolitik gegenüber beiden Minderheiten. Von den ursprünglich 150.000 Roma verbleibt lediglich ein Zehntel in ihren Häusern. Die systematische Vertreibung der Roma aus allen Teilen des Landes ist Teil einer kollektiven Verfolgung, die weder die Mehrheitsbevölkerung im Kosovo noch die Weltöffentlichkeit wirklich registrieren.

Ebenso wie die NATO mit ihrem Konzept eines multi–ethnischen Kosovo scheitert und ebenso wie die Spannungen zwischen Serben und Kosovo–Albanern unvermindert anhalten, ebenso bleiben Roma und Aschkali bis in die Gegenwart hinein Zielscheibe gesellschaftlicher Ablehnung und staatlicher Übergriffe, die ein menschenwürdiges Alltagsleben der Minderheiten beeinträchtigen oder gar verhindern: Angehörige der Roma werden weiterhin viele Grundrechte vorenthalten. An ethnisch motivierten Ausschreitungen im Kosovo sollen offizielle Stellen beteiligt sein. Die Behörden unterlassen es zudem, den Minderheiten Schutz zu gewähren.

In den Jahren 1999 bis 2008 unterliegt das Kosovo der Verwaltung durch die UNO auf der Grundlage der Resolution 1244 des Sicherheitsrates. In den Jahren 2006 und 2007 scheitern diplomatische Verhandlungen über den Status des Kosovo. Am 17. Februar 2008 erklärt sich das Kosovo zur unabhängigen Republik und am setzt am 15. Juni 2008 eine neue Verfassung in Kraft. 54 Staaten erkennen bis 2009 die Souveränität der neuen Republik an. Serbien betrachtet das Kosovo weiterhin als seine autonome Provinz. Die EU unterstützt den Aufbau demokratischer und marktwirtschaftlicher Strukturen im Kosovo. Auch wenn die serbisch dominierten Regionen des Staates Autonomierechte erhalten und die Verfassung die Rechte der Minderheiten fixiert, halten die Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen im Kosovo an.

September 2009


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